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'''Hoffnung''' (vgl. .

Hoffnung kann begleitet sein von der Angst und der Sorge, dass das Erwünschte nicht eintreten wird. Ihr Gegenteil ist die Verzweiflung, die Hoffnungslosigkeit, die Resignation oder die Depression.

Hoffnung ist auch eine der drei und Hoffnung.

Sprachliche Verwendung

Hoffnung (altgr. ?????, lat. ''spes'') hatte zunächst noch keine eindeutig positive Konnotation, die sie im Deutschen Sprachgebrauch aufweist. Das griechische Wort ''elpis'' heißt neutral einfach so viel wie Erwartung. Erwartet wird etwas Zukünftiges und das kann sowohl etwas Gutes als auch etwas Schlechtes sein.

Im Deutschen hingegen besitzt ?Hoffnung? einen positiven Sinn. Man hofft auf das Gelingen oder den guten Ausgang einer Sache oder eines Zustandes. Beispiele für diesen, häufig im heilkundlichen Bereich, wo Hoffnung seit spätestens dem 18. Jahrhundert auch ein therapeutisches Prinzip darstellt, anzutreffenden Sprachgebrauch sind etwa: ''Es besteht noch Hoffnung'' oder das Sprichwort ''Die Hoffnung stirbt zuletzt''; auch die veralteten Wendungen für ?Schwangerschaft? wie ''in der Hoffnung'' oder auch ''guter Hoffnung sein'' zeugen von diesem positiven Sinn, in dem das Wort Hoffnung normalerweise gebraucht wird. Steht das Wort dagegen im Plural, hat es im Sprachgebrauch meist eine negative Wertung: ''Du solltest dir besser keine Hoffnungen machen.''

Soll ausgedrückt werden, dass die Hoffnung nicht berechtigt ist, spricht man von einem Wunschtraum oder einer Illusion; das Gegenteil von Hoffnung ist dagegen Verzweiflung.

Philosophie

Vor allem in der Theorie Ernst Blochs ist Hoffnung auch ein philosophisches Prinzip. Bloch bezieht sich auf gesellschaftliche Kämpfe, die immer wieder durch Hoffnungen vorangetragen werden. Diese Hoffnungen durchflössen ? in seiner eigenen Begrifflichkeit ? gesellschaftliche Entwicklungen wie ein ?Wärmestrom?. Als historisches Beispiel führt er die in den Bauernkriegen 1525 in Deutschland unterlegenen Bauern an, die dennoch auf die Verwirklichung ihrer Forderungen durch die nachfolgenden Generationen hofften:

Friedrich Nietzsche schreibt in Menschliches, Allzumenschliches über die Hoffnung in Anlehnung an die Büchse der Pandora: "Zeus wollte nämlich, dass der Mensch, auch noch so sehr durch die anderen Übel gequält, doch das Leben nicht wegwerfe, sondern fortfahre, sich immer von Neuem quälen zu lassen. Dazu gibt er dem Menschen die Hoffnung: sie ist in Wahrheit das übelste der Übel, weil sie die Qual der Menschen verlängert."

Psychologie

Für das Phänomen Hoffnung gibt es in der Psychologie keine eindeutige Definition. Häufig wird darunter die Erwartung verstanden, dass ein erwünschtes Ziel in der Zukunft erreicht wird.

Hoffnungstheorie von Snyder

Viel Beachtung hat die Hoffnungstheorie von , sich an positive Ergebnisse oder Ziele zu binden. Er betont die '''kognitive Komponente''' der Hoffnung. Hoffnung ist für ihn ein Prozess des Nachdenkens über die eigenen Ziele, der die zwei folgenden Komponenten umfasst:
  1. die Entschlossenheit, sich auf ein Ziel zuzubewegen (''agency'')
  2. die Erwartung, dass man Wege findet, dieses Ziel zu erreichen (''pathways'')

Aufbauend auf diesen beiden Komponenten entwickelte Snyder verschiedene Varianten der ''Hope Scale'' (dt. Hoffnungsskala), um die individuelle Ausprägung der Hoffnung bei Personen zu messen. Ein </ref>

Snyder nimmt an, dass hoffnungsvolle Menschen ihr Ziel stärker fokussieren. Sie lassen sich weniger schnell entmutigen und suchen nach alternativen Wegen, wenn sie auf Hindernisse treffen. Hoffnungslose Personen hingegen verfangen sich eher in zielhemmenden Gedanken, tun sich schwer damit, neue Lösungswege zu generieren, und geben dementsprechend schneller auf. So konnte Snyder u.?a. zeigen, dass Studierende, bei denen die Hoffnung stärker ausgeprägt ist, bessere Notendurchschnitte erzielen und ihr Studium häufiger mit Erfolg beenden.

Kritik an Snyders Theorie

Snyders Annahmen wurden in jüngerer Zeit von anderen Wissenschaftlern infrage gestellt. Einige Kritikpunkte sind:
  • Sein Konzept von Hoffnung überlappt z. T. stark mit anderen psychologischen Konstrukten wie </ref>
  • Die Theorie erklärt nicht, warum Menschen auch dann Hoffnung haben, wenn sie keinen Weg sehen, ein Ziel zu erreichen.
  • Das theoretische Modell weicht stark von alltagspsychologischen Vorstellungen der Hoffnung ab.
  • Die Messinstrumente (''Hope Scales'') heben zu wenig darauf ab, dass es um Erwartungen, d.?h. um zukünftige Ereignisse und Ziele geht.
  • Snyder vernachlässigt die emotionale Seite der Hoffnung.

Hoffnung als Erwartungsemotion

Maria Miceli und Cristiano Castelfranchi klassifizieren Hoffnung als eine '''antizipierende Emotion''' ''(anticipatory emotion)''. Antizipierende Emotionen (neben Hoffnung z.?B. auch Angst) beziehen sich auf die Erwartung eines zukünftigen Ereignisses, d.?h. die mentale Repräsentation dieses Ereignisses ruft eine emotionale Reaktion hervor. Voraussetzungen dafür, dass die Erwartungsemotion Hoffnung entsteht, sind aus Sicht von Miceli und Castelfranchi:
  1. die Auffassung, dass ein Ereignis möglich ist
  2. der Wunsch, dass das Ereignis eintritt
  3. die Auffassung, dass man keinen oder nur bedingten Einfluss auf den Ausgang hat

Hoffnung ist diesem Ansatz nach eine mentale Einstellung (''mental attitude''), deren grundlegende Bestandteile allein das Ziel und der Glaube an die Möglichkeit sind. Anders als Charles Richard Snyder nehmen Miceli und Castelfranchi an, dass Hoffnung auch dann entstehen kann, wenn eine Person eine negative Erwartung und keinen Einfluss auf das Ergebnis hat. (Beispiel: Man erwartet, dass eine Person nicht kommt, hofft aber trotzdem, dass sie kommen wird.)

Eine Funktion von Hoffnung ist nach Miceli und Castelfranchi, die Motivation einer Person aufrecht zu erhalten, wobei sie ''aktive Hoffnung'' und ''passive Hoffnung'' unterscheiden:
  • '''Aktive Hoffnung''' schützt vor Motivationseinbußen, indem man sich emotional von negativen Erwartungen distanziert. Sie begünstigt die Bereitschaft nach Informationen Ausschau zu halten, die für das erhoffte Ereignis relevant sind ? auch wenn die üblichen Wege versperrt sind.
  • '''Passive Hoffnung''' kann die Motivation beeinträchtigen und in untätiges Warten münden. Mögliche Ursachen dafür sind aus ihrer Sicht: (a) der Glaube, dass die Zielerreichung vollständig außerhalb der eigenen Kontrolle liegt oder (b) ein illusionäres Denken, das allein auf das erwünschte Resultat gerichtet ist und mögliche Mittel, es zu erreichen, vollständig ausklammert.

Untersuchungen von Patricia Bruininks und Bertram Malle legen nahe, dass der Ansatz von Miceli und Castelfranchi stärker dem alltagspsychologischen Verständnis von Hoffnung entspricht als die Hoffnungstheorie von Snyder. Ihre Studienteilnehmer beschrieben Hoffnung überwiegend als eine Emotion, die durch folgende Merkmale gekennzeichnet ist: (a) die gewichtige Bedeutung des Ergebnisses, (b) die Schwierigkeit, das Ergebnis durch eigene Anstrengungen zu beeinflussen sowie (c) die fortwährende Investition in das Ergebnis in Form von kognitiver und emotionaler Energie - trotz gegenteiliger Aussichten.

Positive Effekte von Hoffnung

Wissenschaftliche Untersuchungen (die häufig Snyders ''Hope Scale'' zur Messung heranziehen) zeigen, dass Hoffnung sich in vielen Lebensbereichen positiv auswirken kann. Einige Beispiele sind:
  • Hoffnung spielt eine wichtige Rolle für psychologisches Wohlbefinden und die physische Gesundheit.
  • Es gibt einen Zusammenhang zwischen Hoffnung und akademischem Erfolg: Hoffnungsvolle Studierende schneiden im Durchschnitt besser ab.
  • Hoffnung wirkt sich positiv auf die sportlichen Leistungen von Athleten aus.

Reflexion in den Religionen

Christentum

Gläubige Christen hoffen meist auf Vergebung, Erlösung und das ewige Leben.

Römisch-Katholische Kirche

Papst Benedikt XVI. widmete der Hoffnung eine Enzyklika (?In der Hoffnung gerettet?, lateinisch Spe salvi von 2007). Darin heißt es:
?Ja, wir müssen alles tun, um , der selbst in die Geschichte eintritt, Mensch wird und in ihr leidet.?

Die Hoffnung war bereits im Neuen Testament ein Kernwort. Die Heilige Schrift ist Quelle der Hoffnung: ?... durch den Trost der Schrift Hoffnung haben? (Römerbrief 15,4). Die Rettung ist in der Hoffnung begründet: ?... Denn wir sind zwar gerettet, aber auf Hoffnung.? (Römerbrief 8,24). Hoffnung hat im christlichen Glauben Ewigkeitswert: ?Nun aber bleiben Glaube, Hoffnung, Liebe.? (1. Korintherbrief 13,13) Glaubende Christen werden aufgerufen, Rechenschaft über ihre Hoffnung abzugeben: ?Seid allezeit bereit zur Verantwortung vor jedermann, der von euch Rechenschaft fordert über die Hoffnung, die in euch ist.? (1. Petrusbrief 3,15)

Evangelische Kirche

Der Reformator Martin Luther prägte in seiner Bibelübersetzung von 1545 den Begriff "der Gott der Hoffnung". "Der Gott der Hoffnung erfülle euch mit Freude und Friede ..." (Römerbrief 15, 13). So ist Gott selbst die Quelle und Grundlage der christlichen Hoffnung und Zuversicht.
An anderer Stelle beschreibt Luther die Hoffnung als Summe der ganzen christlichen Lehre:
"In den Worten '' 'Ich hoffe auf den Herrn' '' ist die Summe der ganzen christlichen Lehre enthalten, welche nicht im Augenschein, sondern im Hoffen beruht".

Baptisten

Der Baptist hofft auf ?Gottes neue Welt? - so lautet die Überschrift des letzten Kapitels der Rechenschaft vom Glauben der deutschsprachigen Baptisten. Dieser Ausblick beeinflusst auch
bereits jetzt seine Grundstimmung, da er das Gerettetsein als wichtiger einschätzt als gegenwärtige Probleme.

Lieder

Siehe auch

Literatur

  • Ernst Bloch: ''Werkausgabe: Band 5: Das Prinzip Hoffnung.'' Suhrkamp, Frankfurt am Main 1985, ISBN 3-518-28154-2
  • Benedikt XVI., Enzyklika "Spe salvi" über die christliche Hoffnung, 30. November 2007
  • swissfuture Schweizerische Vereinigung für Zukunftsforschung: Forschungsbericht Hoffnung 2010
  • Reiner Andreas Neuschäfer: ''Das Welt- und Geschichtsverständnis aus christlicher Hoffnung.'' Klett, Stuttgart 2014, ISBN 978-3-12-006669-9

Weblinks

Einzelbelege